Tunesien: deutlich mehr als Strand und Meer

Susanne Bösing

Traumhafte Strände, herrliches Essen und günstige Preise. Das sind wohl die ersten Dinge, die einem zu Tunesien einfallen. Aber dann sind da auch Terrorismus, Unsicherheit und Angst.

Welche Zustände herrschen wirklich vor Ort und ist Tunesien nicht viel mehr als nur die eingangs genannten Schlagworte?

Gemeinsam mit der fvw und dem DRV konnte ich mich über die tatsächliche Situation in Tunesien informieren. Mit 35 weiteren Teilnehmer/innen durfte ich das Land bereisen.

Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich dabei unsicher gefühlt oder mich an einen anderen Ort gewünscht. Die vielen Sicherheitsmaßnahmen, die in Tunesien getroffen werden, waren mir vor der Reise nicht bewusst. Man darf dort kein Hotel, keine öffentlichen Gebäude oder Sehenswürdigkeiten betreten, ohne durch den Sicherheitscheck zu gehen.

Die Gastfreundschaft und Dankbarkeit dafür, dass wir Deutschen nun (endlich wieder) da sind, war unermesslich und die Hotelanlagen trotz der schweren Zeit, die hinter dem Land liegt, top gepflegt.

Das macht sich bezahlt, denn die Buchungen im Jahr 2017 sind im Vergleich zum Vorjahr um etwa 40 Prozent (mit weiterhin positiver Tendenz) auf etwa 180.000 deutsche Reisende gestiegen.

Der Terrorismus scheint in den Köpfen der Deutschen verdrängt oder vergessen zu sein und auch das Bewusstsein, dass einem Terror überall widerfahren kann, steigt. Die Lage in Tunesien ist ruhig – zumindest habe ich es so wahrgenommen.

Schon seit 1961 dient das nur zweieinhalb Flugstunden entfernte Tunesien als Erholungsort für die urlaubsfreudigen Massen Deutschlands. Dort sind rund zwölf Prozent aller Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig.

Gemeinsam mit der deutschen AHK (Auslandshandelskammer) werden daher Hotelfachleute in einem dualen System ausgebildet und die Dienstleistungsqualität unmittelbar angehoben. Der Kooperation der beiden Länder haben sich bereits 27 Hotels angeschlossen. Man versucht mit allen Mitteln den Ansprüchen und dem Geschmack der Deutschen Touristen gerecht zu werden.

Das funktioniert bereits in den meisten Bereichen. So waren die Zimmer, in denen wir übernachten durften tadellos sauber und die Hotel- und Strandanlagen sehr gepflegt. An der Müllentsorgung muss aber unbedingt noch gearbeitet werden. Manche der wunderschönen Olivenhaine vor Sousse werden durch herumliegende Plastiktüten geradezu verschandelt.

Im Marketing Tunesiens sehe ich ebenfalls noch viel Spielraum: Tunesien ist so viel mehr als nur Meer und schöne Strände.

Wussten Sie, dass das drittgrößte römische Kolosseum der Welt in Tunesien steht und wie wunderschön die leuchtend blauen Türen in der Künstler-Stadt Sidi Bou Said sind? Kennen Sie die Thalasso-Anwendungen und denken Sie auch mal an Tunesien als Destination, wenn Ihre Kunden Sie nach Wellnessurlaub fragen?

Sogar die Vermarktung im Winter ist denkbar einfach: Schicken Sie Ihre Kunden auf Golfreisen. Die tunesischen Temperaturen entsprechen denen des Deutschen Frühlings und die Anlagen sind gut an die Zielflughäfen angebunden.

Auch kulinarisch hat Tunesien einiges zu bieten. Denken Sie an die vielfältigen Möglichkeiten, die sich daraus für Ihre Kunden und Sie persönlich ergeben: Kochkurse, Leckereien auf dem Gewürze- und Wochenmarkt in Tunis entdecken und Besuche in den kleinen Restaurants, die sich sowohl bei Einheimischen als auch Touristen beliebt gemacht haben.

Ein weiteres Plus: Ab dem kommenden Jahr wird der Luftraum auch für die Billigflieger geöffnet und die Verbindungen regelmäßiger und wahrscheinlich auch günstiger.

Das und die vielen anderen Gründe sollten wir als Chance nutzen und das große kulturelle und kulinarische Potential und die entspannenden Seiten Tunesiens wieder voll auszuschöpfen.

Die Wahrnehmung durch den Kunden (und damit das Image Tunesiens als reines Bade-Land) können wir gemeinsam verändern. Wecken wir die Neugier der Touristen und regen sie dazu an, aus den Hotelanlagen herauszugehen.

Dort gibt es so viel mehr zu sehen als wir erwarten.

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