Kreuzfahrtgedanken

Die Kreuzfahrtbranche ist die, die sich innerhalb des Tourismus von allen am schnellsten entwickelt. Alleine im Jahr 2018 werden vierzehn neue Kreuzfahrtschiffe auf den Markt kommen. Der Anteil der Kreuzfahrtreisenden ist von 2015 auf 2016 um 11,3 Prozent gewachsen, Tendenz weiter steigend.
Die damit einhergehenden Provisionen sind ein stabiles Standbein, auf das man auch in Zukunft bauen kann.

Woran liegt es aber, dass die Branche so sehr boomt und welche Aspekte sollten wir dabei nicht aus den Augen verlieren?          

Die Kreuzfahrt bietet alles, was man sich im Urlaub nur wünschen kann, an einem Ort. Neben verschiedenen Restaurants findet man Pools, Fitnessstudios, Shops und sogar 3D Kinos oder Kartbahnen an Bord der Schiffe.

Dieses Bündel aus Leistungen ist dazu noch beweglich und man kann während der Reise den Komfort eines Hotels genießen. Das Aufwachen in einem neuen Hafen jeden Tag und die Unterhaltung an Bord machen das Reisen für alle Altersklassen und sogar Familien besonders angenehm.
Die Reisen sind zudem bezahlbar und bieten oft ein günstiges, oder zumindest ein angemessenes, Preis-Leistungsverhältnis.

Klingt zu schön um wahr zu sein? Ist es häufig auch.      

Die Schiffe sind riesig und die große Anzahl Reisender nicht nach jedermanns Geschmack.
Häufig ist Personal überarbeitet. Nicht selten sieht man die selben Mitarbeiter beim Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Ruhezeiten gibt es, aber sind elf Stunden Arbeit am Tag wirklich angemessen?     

Im Verhältnis zu den Herkunftsländern der meisten Mitarbeiter sind die Gehälter gut – im Vergleich zum deutschen Lohnverhältnis hingegen, stehen Arbeitszeit und Lohn in einem recht niedrigen Verhältnis.        

Jeder ist seines Glückes Schmied und, das muss man auch sagen, als Crew-Mitglied kann man die schönsten Orte der Welt kostenlos besichtigen und lernt von und mit seinen Kollegen über die eigenen Grenzen hinauszuwachsen.              

Auch die ökologischen Auswirkungen sollte man, trotz der Gefahr sich sein Urlaubsvergnügen zu verderben, nicht einfach verdrängen. Der Schwerölverbrauch der Giganten ist enorm und hochtoxisch, die Verbrennung erzeugt Feinstaub, Schwefelschadstoffe und Kohlenstoffdioxid in rauen Mengen.

Dazu kommt, dass die Infrastruktur der Häfen für die wachsenden Menschenmassen (noch) nicht ausgelegt ist. Es kommt zu Wartezeiten und, statt Entspannung, erlebt man Urlaubs-Frust.

Welche Ansätze gibt es, um die Reisen nachhaltiger zu gestalten?

Das Bewusstsein für die Ressource Mensch, sollte weiterhin von den Gästen und den Reedereien mehr in den Vordergrund gehoben werden. Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern und Respekt gegenüber den aufgetragenen Speisen sind da schon einmal ein Anfang.    

Die meisten Reedereien arbeiten bereits an Ökoschiffen. Neben Mülltrennung und Wasseraufbereitungsanlagen befindet sich ein hybrides Schiff im Bau, das bis zu einer halben Stunde ohne fossile Brennstoffe fahren soll. Einige Schiffe werden schon jetzt zum Teil mit Landstrom betrieben. Die Industrie arbeitet hartnäckig daran, grünere Lösungen zu finden.

Ob das allerdings ausreicht, das muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden.

 

QUELLEN
https://www.drv.de/pressecenter/presseinformationen/pressemitteilung/detail/passagiere-und-reiseumsatz-wachsen-zweistellig.html (zugegriffen am 07.03.2018)
http://kreuzfahrt-magazin.info/neubauten-2019.html (zugegriffen am 07.03.2018)
http://www.fvw.de/umweltinitiative-hurtigruten-startet-mit-landstrom-in-bergen/393/184491/18078 (zugegriffen am 08.03.2018)
https://www.hurtigruten.de/schiffe/ms-roald-amundsen/ (07.03.2018) und
travelone Das Magazin für Reiseprofis (Astrid Möslinger) S. 37, Ausgabe 03/2018, Druck: Geldern

Zurück